
Magnificent Sex ·
Wege zu sexueller Ekstase
von Franziska Ziegler · 22. November 2022
«Also, das ist für mich wie eine Verbindung zur schamanischen Trommel. Das ist wie ein Tambourin und ich produziere diese Trommel. Mein Penis könnte auch der Tambourinknebel sein.»
«Das klingt komisch, aber irgendwie als würde dann so ein Stöpsel in mich hineinkommen, der dann das rund macht. So wie auch ein Stecker in die Steckdose und dann strömt’s und es ist total schön.»
Wie beschreiben Menschen ekstatische sexuelle Erlebnisse und was hat sie dorthin geführt?
Diese zwei Fragen fesseln und begleiten mich seit bald vier Jahren. Auf der Suche nach Antworten habe ich mit vielen Menschen gesprochen, mit meinem Körper eigene ekstatische Erkundungsreisen unternommen, den aktuellen Forschungsstand aufgearbeitet, vier Interviews geführt und schliesslich meine Masterarbeit dazu geschrieben. Mich erfüllen eine grosse Dankbarkeit und Demut, dass ich durch meine Arbeit an den beglückendsten und intimsten Geschichten der Befragten teilhaben durfte, indem sie mir Einblick in ihre besonders genussvollen sexuellen Momente gewährten.
Meine Masterarbeit wurde mit Bestnoten bewertet, was mich sehr freut und mir den Mut gibt, dir nun die wertvollsten Erkenntnisse meiner Untersuchung zu präsentieren.
Wie erleben wir ekstatischen Sex?
In Studien rund um Peggy Kleinplatz und Dana Ménard beschrieben Menschen den besonders genussvollen Sex als ein Ereignis, bei dem sie …
- voll präsent waren
- mit dem Gegenüber verschmolzen
- füreinander da waren
- eine einfühlsame Kommunikation pflegten
- ganz man selbst waren
- sich hingeben und verletzlich zeigen konnten
- Spass hatten und risikofreudig Neues ausprobierten
- Trance, Transzendenz und etwas Lebensveränderndes erlebten
Was ist mit dem Körper?
Sexuelle Erregung und ekstatisches Erleben ist doch intensiv körperlich wahrnehmbar? Warum wird der Körper nicht erwähnt? Könnte es sein, dass viele Interviewten ihren Körper während dem Sex gar nicht bewusst spüren und deswegen nicht darüber reden?
Sexuelle Wollust zu empfinden, ohne den Körper in den Mittelpunkt zu stellen, ist für mich unvorstellbar. Der Körper ist unser Tempel und es ist faszinierend, was mit diesem Körper überhaupt möglich ist: Ohne unseren Körper und vor allem ohne unser Tastsinnessystem würden wir nicht wissen, dass es uns gibt, weil wir uns nicht fühlten. Von klein auf tasten wir uns in die Welt hinein und bilden über das Ergreifen erste Begriffe. Mittels unserer Sinne können wir unseren Körper spüren lernen, unsere Emotionen regulieren und zum Ausdruck bringen, Nähe herstellen und einander auf allen Ebenen berühren. Unser Gehirn besitzt zudem ein faszinierendes internes Drogenlabor, das uns vielfältig im Leben unterstützt und uns eben auch zu sexueller Ekstase führen kann. Wieviel wir in der Sexualität mit unserem menschlichen Körper, dem Spiel mit der Atmung, der Bewegung sowie dem Rhythmus und der achtsamen Wahrnehmung von Sinnesreizen wie auch Emotionen noch erfahren können und dass die sexuelle Bildung dabei eine wichtige Rolle spielt, zeigt meine Untersuchung auf.
Wie gelangen wir zur sexuellen Ekstase?
Der Weg dorthin ist sehr unterschiedlich und vielfältig. Ausserdem kann sexuelle Wollust ein gutes Stück weit erlernt werden. Ja, richtig – Sexualität ist erlernbar. Schon als Baby sammeln wir Erfahrungen mit unserem Geschlecht und dem Erregungsreflex. Dieser ist wie alle Reflexe biologisch angeboren. Im Verlauf unseres Lebens lernen wir mit unserem Körper die Erregung zu steigern und im Orgasmus zu entladen. Dabei machen wir so einiges mit unserem Körper, dessen wir uns jedoch wenig bewusst sind.
Mit Sexocorporel zu mehr Genuss und Wollust
Wie geht das nun mit der sexuellen Wollust? In meinem Studium habe ich mich drei Jahre lang intensiv mit dem körperorientierten ganzheitlichen sexualtherapeutischen Ansatz «Sexocorporel» beschäftigt und dabei festgestellt, dass uns im Wesentlichen vier Lernfelder unterstützen, sexuelle Wollust zu erleben. Diese bilden entsprechend auch das Herzstück und den Mehrwert meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Habe ich deine Neugier geweckt? Nun öffne ich dir die vier Lernräume.
Erster Lernraum - Erotisierung deines Geschlechts
Hier lernst du, dein Geschlecht zu lieben: Du lernst viel über Anatomie und Physiologie deines Geschlechts und lernst, es so zu berühren, dass deine Nervenrezeptoren erwachen. Du spürst deine sexuelle Erregung, lernst sie lustvoll zu erleben und selbstsicher und authentisch zum Ausdruck zu bringen. Du spürst die Potenz deines Penis und die aktiv aufnehmende Kraft deiner Vagina sowie deines Anus.
Zweiter Lernraum - Atmung und Bewegung, Rhythmus und Körpertonus
In diesem Raum entdeckst du die Kraft der Atmung und lernst, die sexuelle Erregung über verschiedene Bewegungen im Körper zu verteilen und wieder zu kanalisieren. Du lernst das Spiel mit Rhythmen, intensivierst deine Emotionen und lauschst in Pausen nach innen in deinen Körper. Dabei schärfst du deine Wahrnehmung und erlebst möglicherweise Wellen von sexueller Ekstase.
Dritter Lernraum - Autozentrierung
Kennst du das auch? Du möchtest eine verführerische Liebhaberin sein, deinem Gegenüber möglichst viel Lust bereiten oder ihr Orgasmus ist für dich das Wichtigste. Wie gut spürst du dabei dich selbst? Wie deine sexuelle Erregung? Du ahnst es bestimmt: Sexuelle Wollust kannst du erst wahrnehmen, wenn du ganz bei dir bist und wie man so schön sagt, im Hier und Jetzt deinen Körper spürst und Verantwortung für deine sexuelle Erregung und deine sexuellen Bedürfnisse übernimmst. Der französische Aphoristiker Antoine de Rivarol bringt es mit dem Bild der Katze auf den Punkt: «Die Katze streichelt uns nicht; sie streichelt sich an uns.» Wir Sexolog*innen reden von Autozentrierung. Diese hat nichts mit selbstsüchtigem Egoismus zu tun, denn du bleibst gleichzeitig in einer intimen emotionalen Verbindung mit deinem Gegenüber.
Vierter Lernraum - Erlauben
Hier kommst du deinen Glaubenssätzen, Tabus und Beschränkungen auf die Schliche und schliesst Freundschaft mit deinen Fantasien und sexuellen Wünschen. Es ist gut möglich, dass du ihre Funktion verstehen lernst und sich dadurch dein eigener Rahmen weitet. Menschen, die ihre Sexualität authentisch leben, so schräg, so zart, so wild, wie sie eben gerade zum Ausdruck gebracht werden möchte, erleben eher sexuelle Ekstase.
Zum Schluss noch dies
In einer Selbstoptimierungsgesellschaft können uns das Streben nach noch mehr Glück und noch mehr Ekstase, Peak-Erfahrungen und Berichte darüber auch ziemlich unter Druck setzen und uns das Gefühl von Unzulänglichkeit vermitteln. So manch Wunderbares entsteht erst in der Stille, in den Pausen und in Momenten des Loslassens – dann, wenn wir nicht mehr steuern und nicht genau wissen, wohin die Reise geht.
Wer begleitet mich?
Bist du neugierig und möchtest dich mit mir auf den Weg machen? Ich entwickle in nächster Zeit Workshops, plane Weekends und halte Vorträge zu meinem Herzensthema. Während den Veranstaltungen bleibst du stets angezogen. Alle Übungen kannst du zu Hause in einem intimen Rahmen für dich ausprobieren und in dein Liebesleben integrieren.
Ich bin deine Wegbegleiterin, eine achtsame, humorvolle und inspirierende Expertin für ekstatischen und besonders genussvollen Sex.
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Vielleicht bist du kein Gruppenmensch, hast aber trotzdem Interesse, dich auf diese Entdeckungsreise zu begeben. Dann lade ich dich allein oder zusammen mit deiner Partnerin, deinem Partner zu einem Coaching ein.